Geschafft!!!!

von Reiner Schmidt

Unabsteigbar… Großmeisterbezwinger… Nerven. Was ist das? … Kämpfen, kämpfen, kämpfen… Stolz

All das sind Begriffe, die den gestrigen Tag nur bedingt beschreiben. Alles war dabei.
Auf ging die Fahrt am frühen Sonntag Morgen zur Zentralrunde nach Frankenthal. Dort erwartete uns unser Gegner aus Remagen zum entscheidenen Duell um den Klassenerhalt in der 1. Rheinland-Pfalz-Liga. Und wie schon so oft musste der letzte Spieltag die Entscheidung bringen und wie so oft wurde es einfach nur knisternd und spannend. Bei einem 4:4 waren auch noch voraussichtlich beide Mannschaften abgestiegen. Es war also klar, dass es ein Wettkampf auf Biegen und Brechen wird. Remagen war in Bestbesetzung angetreten, das heißt, am ersten Brett spielte ein Großmeister.

Andreas Brühl war gewappnet und hoffte, die Partie lange offen gestalten zu können. Das Spiel begann. Und es begann nicht gut. Die befindlichen Unzulänglichkeiten in Konstantin Webers Eröffnung an Brett 8 wurde von seinem extrem erfahrenen Gegner leider sehr schnell aufgezeigt. Konstantin bekam eine sehr schwierige Stellung auf´s Brett, die er aber zäh verteidigte.
Bei allen anderen Brettern waren nach der Eröffnungsphase jeweils Chancen für beide Seiten vorhanden, so dass noch nicht im Geringsten eine Richtung des Wettkampfs angezeigt werden konnte. An Brett 4 bekam der Mannschaftsführer Reiner Schmidt nach ca. 2 Stunden ein Remisangebot. Sein Gegner versuchte fleißig alle Figuren zu tauschen und sich mit einer sehr passiven, aber auch sehr festen Stellung zu verschanzen. Da alle anderen Partien unklar waren und sich bei Konstantin die Waage in die falsche Richtung neigte, musste das Angebot abgelehnt werden. Wer weiß, wofür eine noch weiter spielbare Partie gebraucht werden kann. So ähnlich erging es an Brett 3 Martin Kaster. Auch hier war die Stellung sehr remisträchtig, doch auch hier musste weitergespielt werden.
So wogte der gesamte Wettkampf hin und her. Es war ein zähes Ringen um Vorteile. Konstantin musste in der Zwischenzeit seine Partie aufgeben. Bis kurz vor der Zeitnotphase war in allen anderen Partien alles möglich. Johannes Krumm an Brett 5 hatte es dann geschafft den starken Angriffsläufer seines Gegners zu tauschen. Doch dieser wollte unter keinen Umständen tauschen und opferte lieber einen Turm für den Läufer um weiterhin Angriff zu behalten. Dann drohte er den Rückgewinn des Materials… doch zum Glück hatte Johannes die listige Falle bemerkt: der Gegner wollte nicht Material zurückgewinnen, sondern Matt setzen. Nach einer Schrecksekunde nahm Johannes seine ganzen Rechenkünste zusammen, bastelte einen Ausweg und behielt die gewonnene Stellung übrig. Das war starker Schachsport!
Somit war das 1:1 sichergestellt.
Die Zeitnot war vorbei und auf einmal stand Ingo Schmerda an Brett 7 klar auf Gewinn, Andreas Brühl an Brett 1 hatte einen Turm für einen Springer und 2 Bauern. Schwierig, gerade gegen einen Großmeister, aber immerhin die Chance auf einen Sieg. Dagegen hatte sich Claude Wageners Stellung in eine Stellung mit einem Minusbauern verwandelt, wobei seine Figurenaktivität ihm das Remis gewährleisten sollte.
Die Partie von Thomas Hoffmann wurde von einer besseren in eine remisliche verändert, die noch ein kniffliges Springerendspiel bot, welches erst noch gespielt werden musste.
Aufgrund der beiden besseren Partien sicherte Reiner Schmidt den nächsten halben Punkt.
Martin Kaster wollte es ihm gleich tun, sein Gegner hegte aber noch Gewinngelüste. Diese führten aber nur zu einer Stellung, die Martin auf jeden Fall Remis halten sollte, aber auch auf Gewinn spielen konnte. Dann nahm die Dramatik zu.
Ingo Schmerdas Gegner hatte einen Gegenangriff gefunden, der nicht zu verachten war, ihm aber gleichzeitig Remis geboten. Ingo wusste, das Andreas mittlerweile schon auf Gewinn stand, wollte aber weiterspielen. Dabei übersah er eine teuflische Drohung seines Gegners.
Andreas Brühl zwang seinen großmeisterlichen Gegner mit einer hübschen Schlußpointe, die einem Großmeister würdig ist, zur Aufgabe. Klasse Leistung! Hut ab!
Derweil hatte sich Thomas Hoffman mit seinem Gegner ebenfalls auf Remis geeinigt, da jeder nur noch einen Springer und einen Bauern hatte.
Dann ging es bei Ingo weiter. Er hatte zwar die Drohung übersehen, war aber noch nicht geschlagen und wehrte sich. Da geschah das kleine Wunder. Der Gegner verfehlte die gewinnbringende Fortsetzung und gab die Partie Remis! Da fielen allen Altenkirchener ganze Zentner von den Schultern.
Die beiden noch laufenden Partien waren danach auch schnell zu Ende. Claudes Gegner gab die Partie ebenfalls Remis, da alle Gewinnversuche von Claude pariert wurde. Zum Schluss willigte Martin Kasters Gegner auch ins Remis ein. Schluß! Ende! Aus! Mannschaftssieg und Klassenerhalt!
Übrigens, Claude zeigte Martin dann noch einen feinen Trick in Martins Schlußstellung. Die war tatsächlich gewonnen für ihn! Aber das Remis reichte und passte! Unabsteigbar… zumindest bis zur nächsten Saison!

Tabelle

Rang Mannschaft Spiele MP+ MP- Brettpt
1 SK Gau-Algesheim 9 16 2 48½
2 SK 1912 Ludwigshafen 9 15 3 48
3 SK Frankenthal 9 10 8 38½
4 SV Spr.Siershahn 9 9 9 34
5 TSV Schott Mainz   III 9 8 10 33
6 SV Koblenz 03/25   II 9 7 11 36
7 SC Landskrone 9 7 11 31½
8 SK Altenkirchen 9 7 11 28½
9 Sfr.Mainz 1928 9 6 12 32½
10 SC 1950 Remagen 9 5 13 29½
Spiel Heim-Mannschaft DWZ Gast-Mannschaft DWZ Erg. Erg. Erw.
Brett Spieler DWZ Spieler DWZ Erg. Erg. Erw.
5 SK Altenkirchen 2032 SC 1950 Remagen 2032 4
1 Brühl,Andreas,Dr. 2323 Dgebuadze,Alexandre 2438 1 0 0.34
2 Wagener,Claude 2248 Busch,Raimund 2100 ½ ½ 0.70
3 Kaster,Martin 2035 Den Boer,Lennard 2065 ½ ½ 0.46
4 Schmidt,Reiner 2043 Czeratzki,Michael 1915 ½ ½ 0.67
5 Krumm,Johannes 2024 Friese,Peter 2071 1 0 0.43
6 Hoffmann,Thomas 1923 Van Nieuwenhuizen,Hans 1839 ½ ½ 0.62
7 Schmerda,Ingo 1910 Maier,Viktor 1918 ½ ½ 0.49
8 Weber,Konstantin 1752 Maschke,Janusch 1913 0 1 0.29

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Nur eine kleine Anmerkung. Außer meinem König hatte ich nichts mehr und wurde am Rande matt gesetzt ;-).

    VG
    Konstantin

  2. Welch elektrisierend Epik gewandet in einem lenzduftend Lyrikhabitat, welch Basalgangliensamba. 😀 Allergrünste Pfirsichblütenglückwünsche zu einer berauschenden Mannschaftsleistung an die wackeren Recken!

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