Abenteuer Oberliga

Nach dem erstrundigen, eher dezent ergötzlichen, 0:8 durch Kontumaz gegen Gambit Saarbrücken, galt es nunmehr letzten Sonntag unsere Feuertaufe gegen den Zweitligistenabsteiger aus Landau zu bestehen.

Vorab schon; es gilt noch eine Menge zu lernen, darauf komme ich später nochmal zurück.

Zum Geschehen auf den Brettern nunmehr meine persönliche Eindrücke, diese müssen freilich bruchstückhaft bleiben und können Fehler und Nüsse enthalten:

Brett 1: Bruder Becking gegen Andreas

Mir schien diese Partie zunächst sumpfig und morastig eine Inkarnation der Langeweile, jedenfalls beschlich mich in den ersten Stunden da ich haigleich die Bretter umkreiste, ob der sich nicht ändernden Position je ein kräftiges Déjà-vu. Nachdem man nun dies Gedümpel eine gefühlte halbe bis dreiviertel Ewigkeit bis zum Exzess zelebrierte, wachten die braven Recken aus wer weiß welchen Gründen auf und die Ereignisse, wie man sie kennt und liebt, überschlugen sich gleichsam eines Meteoriteneinschlages mitten auf dem Brett: Hier behielt unser werter Kämpe gewieft einige Höhenmeter Übersicht und behandelte eine plötzlich taktischklangvolle Stellung in überzeugend-stilvoller Manier, bis zur raffiniert in Szene gesetzten Zeitüberschreitung des werten Bruder B. aus L.,

daher 0:1

 

Brett 2: Max gegen Mr. Bärwinkel

Hier hielten sich etwaig aufregende Ereignisse in überschaubarem Maße, womöglich eines recht raschen Remis noch im erquicklichen Eröffnungsgeplänkel geschuldet.

0,5:0,5

 

Brett 3: Monsieur Leuranguer gegen Claude

Siehe oben zu Brett 2, wenngleich diese Partie hier zwischendurch interessant zu werden drohte und noch ein paar Meter ins frühe Mittelspiel flutschte.

0,5:0,5

 

Brett 4: Holger gegen Meister Muranyi.

Meiner bescheiden Meinung gemäß die mit Abstand interessanteste Partie unseres tapferen Tortes gegen die Sith-Übermacht aus Landau.

Nach recht beschaulichem, ja ich möchte fast sagen, idyllischem Eröffnungsgekuschel, funkte, tob und blitzte es kurze Zeit später auf den Niederungen des Brettes, mir drängten sich aus meiner Stellung als Vorgeschobener Beobachter Erinnerungen an Ernst Jüngers‘ Erstlingswerk „In Stahlgewittern“ auf. Leider konnte sich Holger letztlich ob infanteristischer Okkupationen wichtiger strategischer Planquadrate einer Kapitulation nicht erwehren, diese jedoch eine wahrhaft ehrenhafte.

0:1

 

Brett 5: Lord Lang gegen Me, Myself and I

Obwohl wir, zugegeben etwas unfair, also zu dritt gegen den Deutschen Schnellschachmeister von 2012 spielten, so konnte es ob meiner Niederlage nie einen Zweifel geben, tatsächlich zernierte man mich herrlich, ein Leopold von Sacher-Masoch des Schachs feiert dergleichen Glorie der Unterdrückung ohnwzeifel als Hochgenuss. Dies noch zu toppen, erklärte mir Seine Lordschaft nach der Partie, er spielte die Eröffnung so, damit ich auf keinen Fall in meine beiden Hauptsysteme überleiten kann, darob hinaus analysierte er mit einigen Mannschaftskameraden unsere soeben gespielte Stellung bis zum positionellen Sankt Nimmerleinstag, da diese Eröffnung von einem Mannschaftskameraden unlängst vorher auf dem Brett geschah und überhaupt und so.

Ausgefuchst der Mann.

Bar vor Staunen ob der Erläuterungen, kam es mir vor als beamte mich jemand in so ein Kandidatematchgetratsche, da es dann heißt: „Meine ersten beiden Bataillone von Sekundanten analysierten diese Stellung mit zwei Dutzend Großrechnern aus der Zukunft die letzten drei Dekaden, um hier im Zwölfundvierzigsten Zuch einen Vorteil von 0,6 zu erspähen etc…“.

Jedenfalls fühlt man sich nach so einer Partie fasst schon wieder lebendig.

1:0

Brett 6: Martin gegen die Hexe von Blair {auch bekannt als J.Möldner}

Der Plot läuft identisch zum oben genannt Streifen:

Nichts passiert, nichts passiert, nichts passiert- alles ist vorbei.

Wieso, warum und vor allem weshalb, das steht erst späteren Generationen von Schachhistorikern zu sich ein abschließend Bild zu machen, jedenfalls…

0:1

 

Brett 7: R Zwo-Lang Zwo gegen Sir Thomas

Nach einem Hybrid aus Londoner System und was auch immer, verdichteten sich die oberflächlich sanft kräuselnden Schachuntiefen zu einem bauernverschlingenden Sog in ein gewonnenes Läuferendspiel für unseren Protagonisten dieser epischen Schlacht.

Hut ab, Sir!

0:1

Brett 8: Johannes von Orléans gegen den Bischof von Beauvois Björn Kopp.

Hier gestaltete John eine Schottische Partie recht eigen bis interessant, schaffte es dann emsig jeweils ein paar Bröckchen Vorteil zusammen zu klauben, welcher sich irgendwann nach einigen Litern Oberwasser in ein Remis verflüssigte.

0,5:0,5

 

Somit verlieren wir also 3,5:4,5, nicht vollends optimal will mir scheinen.

Was also können wir daraus lernen, wo liegt die Moral im Pfeffer begraben?

Die wichtigste Erkenntnis zuerst:

Meiner Auffassung nach zeigte sich hier ein massiver Klassenunterschied zwischen den Mannschaften an Vorbereitung. Da heißt es sich nochmal zusammen setzen, dies kommunizieren und hart daran arbeiten.

Fürder müssen wir in jedem Falle mehr darauf achten, die Partien bis wirklich gar nichts mehr geht auszuspielen, insbesondere so die Mannschaft hinten liegt, vollkommen gleich ob evtl. ein Verlust droht oder nicht, ob man sich müde, bluna oder wie auch immer fühlt, dies heißt schließlich Mannschaftskampf und nicht Einzelwettbewerb.

Den Rest sehen wir dann und schauen ob wir das Zeug aufweisen zu einer Oberligamannschaft zu reifen.

Anregungen und Kritik jederzeit herzlich willkommen.

O.

 

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. So höret, höret, höret:
    Seine allerhöchste apostolische Majestät hat mit Genugtuung und Amüsement den Bericht vernommen und lässt Lob und Gruß übermitteln!

    Mögen die kommenden Feldzüge zum Ruhme des ganzen Westerwaldes gereichen!

  2. Hallo O.

    habe das Gefühl, wenn du halb so gut gespielt- wie geschrieben hättest, wäre dein Partie sicher gewonnen gewesen.
    LG

    U.

    • Meine teuerste Freifrau von U.,

      Eurer sowohl beifälligen als auch liebenswürdigen Auslegung meinen untertänigen Dank, doch hege ich ob dieser gut gemeinten Gesinnung so einige Zweifel, diese zu verdeutlichen darf ich einen der großen Denker und Schreiber der Geschichte bemühen:
      „Oft ist das Denken schwer, indes,
      das Schreiben, geht auch ohne es.“
      Wilhelm Busch.

      In diesem Sinne verbleibt mit schwesterlich Gruße ergebenst Eure

      Priorin von O.

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