Zwischen Skylla und Charybdis

Die ruhmreichen und vom Siege verwöhnten Heroen der Altenkirchener Argonauten standen zum Festtage der Ithomaia, d.h. in dem Nachklange der Iden des Märzes, am Scheidewege eines klassischen Dilemmas, ganz wie aus der Tragödie eines Aischylos entsprungen:

Niederlage- und ein orpheusgleiches Versinken in den Hades der Rheinland-Pfalz Liga oder Sieg- und eine weitere Fahrt die phrygische Oberligaküste entlang auf der Suche nach dem Golden Vlies; fürwahr ein Trauerspiel.

Zu Gaste weilten die ehrenvollen Abgesandten des Königs von Kolchis, dem heutigen Winterbach.

Wie erging es uns nun auf unserer Argo, schauen wir uns dazu die Geschehnisse in chronologischer Reihenfolge an.

Zunächst erlebten wir am Rudersitz Hepta[7] eine postmoderne Performance der Modernen Verteidigung seitens des Recken Thomas, welcher in minimalistischer Stringenz mittels Dekonstruktion der weißen Formation und radikalem Pluralismus der schwarzen Entitäten ein Hohelied des verlustig gegangenen autonomen Subjekts [sprich des Weißen Königs] schrieb. Sehr zum Gefallen des ehrwürdigen Heros Schütz, welcher dann die Partie auch ganz idealistisch aufgab.

Sieg zu unseren Gunsten.

Alsdann durften wir, die wir vor Ort an den Heiligen Stätten des Iolkos [die heutigen Stadtwerke zu Wissen] weilten, die Allgemeine Einsteinsche Relativitätstheorie live und in Farbe miterleben an Sitz Pente[5]: der bemerkenswerte Opponent des Holger, Hero Sahm, zelebrierte uns die Zeitdilatation in Reinform vor: Während ich aus meinem Bezugssystem, etwa einem Meter vom Nebensitz entfernt, ein Verrinnen der Zeit des Holgerschen Gegners nach zehn Zügen bis auf das Inkrement von den jeweiligen dreißig Sekunden erlebte, schien der Lorentzfaktor dem Gegner wohl reziprok zu meiner Auffassung eine ganz andere Sache der Dinge zu suggerieren, das relativistische Linienelement ad absurdum führend; da jedoch nach den Statuten der Stadtwerke in denselben ganz offiziell die Physikalischen Naturgesetze vertragsgemäß in Kraft treten müssen, kam es uns Normalsterblichen im Inertialsystem tatsächlich so vor, als spielte der Recke Sahm bis zur Zeitkontrolle wirklich just nur noch mit den verbleibenden dreißig Sekunden bei gleicher Anzahl Züge zur Zeitkontrolle.

Doch nahezu mit Lichtgeschwindigkeit ausgeführte Züge weisen den synchronen Nachteil der Ermangelung jeglicher Energie an der vertikalen Korrektheitsachse des Minkowski-Diagramms auf, sodass die Argonauten schließlich auch hier einen relativ gewonnenen Sieg feiern konnten.

Danach prasselten einige Remis ins Gebälk, zunächst etwas überraschend ein friedvolles Ende auf Sitz Duo[2] von Meister Max, dessen Partie eigentlich ob Mehrraum, Mehrbauer, Mehrüberhaupt nur so nach Blut schrie; doch irgendwie stapfte der werte Recke Becker aus den Untiefen des Styx zurück zum rettenden Ufer.

Fürder wehte seit geraumer Zeit ein linder Remishauch über die hochalpinen Schachgebirgszüge der Claudschen Stellung an Ruder Treis[3], welche ganz lenzlieblich auch in trauter Absprache ihren gemessenen Abschluss erfuhr.

Dies überblickend, kam ich schon nach etwa viertelstündigem Rechnen zu der Annahme einer argonautischen Drei zu Eins Führung, plus minus einem Fehlerquotienten von o,26 Einheiten.

Mit diesem hart erarbeiteten, vorläufigen Ergebnis die Runde durchs verbliebene Schachgeschehen machend, erschloss sich mir ob des eingefahrenen Informationsinputs ein schlauer Plan.

Die Lage auf den Brettern sah in etwa aus wie folgt:

An Sitz Heis[1], stand Meister Andreas gegen den ehrwürdigen Gegner Spengler arg in Bedrängnis, irgendwo anzusiedeln zwischen verloren und hinüber, derweil ich am Ruder Hex[6] des Meister Martins, einen Thriller a la George A. Romero miterleben durfte:

Wackelnd, zögernd und schleppend bahnte sich zombiegleich eine Horde schwarzer Bauern den Weg ans ersehnte Ufer der Grundreihe, vermeintlich nach dem Hirne des Gegners gierend, welches allerdings bei uns Argonauten eher selten…ahem, aber dies scheint mir ein ganz anderes Thema.

Wie auch immer, jedenfalls erlebte die begeisterte Argonautik am Ruder Okto[8] des beherzten Recken Uwe, ein selten anzutreffendes Naturschauspiel; nämlich den Todesschrei der Materie [jetzt auch als Klingelton für Dein Mobiltelefon], ausgelöst durch die enorm verdichtete weiße Materie auf dem Brette, welche die schwarzen Figuren gleichsam eines Schwarzen Loches förmlich in sich einsog, die kläglichen Überreste derselben in Gammablitze verwandelnd.

Dies überschlagend dachte ich mir ganz pfiffig, egal was ich mache, verlieren tun, sollte ich nicht machen tun.

Daher nahm ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit jeglich erdenkliche Chance eine landesrekordverdächtig langweilige Abwicklung aufs Brett zu kleistern, welche indes nach meinem gehaltvollem Nachrechnen sicher zum Gesamtsieg, und damit zur Weltherrschaft reichen sollte.

Dem kam auch so, überdies remisierte es auch bretteinsig, demnach wir unbeugsamen Mannen der Altenkirchener Antike nach diesem 5:3 Sieg möglicherweis ein idyllisches Flanieren im Hain des Ares in der Saison 2019/2020 mannhaft ins Auge fassen können.

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