Die unterträgliche Leichtigkeit des Siegens

Des gestrigen Sonntages weilten als Gäste die Caissaner von Schwarzenbach in den hohen Hallen der Stadtwerke zu Wissen.

Im Vorhinein Schwarzenbach bei der braven Buchmacherzunft als klarer Favorit gehandelt, entwickelte sich ein höchst eigentümlich Spielgeschehen.

Zunächst galt es in der Begegnung am fünften Brette eines frisch aus einem artig durchzechten Gelage kommenden, vorbildlich gebeutelten Stefan N.,  eine elegant ausgeführt Piaffe des Nußbaumschen Kürassiers zu bewundern, welche nebst Schockmoment für den werten Widersacher Müller, einen wohlfeilen Mops und mithin die komplette gegnerische Parteianlage einfuhr.

Fürder sahen wir in einem von garstigen Tücken und Fallstricken nur so strotzenden Endspieles eine wahrhaft glorios geführte Partie des am vierten Brette spielenden Jeremys, welcher seit dem Deutsch-Französischem Kriege 1870 bis dato mit dem Schachspiel  pausierend {zurecht und gewieft!}, seiner schachlichen Kreativität Bahn brach und den bemitleidenswerten Herren Gress just überrollte.

Wie man es also richtig macht demonstrierte ich höchstselbst, in dem ich an Brett Drei spielend in grandioser Manier, ja, mit nahezu perfekter Virtuosität die Partie führend, dem achtbaren Gegner Fries keinerlei Chance ließ dieselbe nicht zu gewinnen, was letztlich mein untröstlicher Opponent auch einsah und zähneknirschend meine Aufgabe akzeptierte.

Dies als willfähriges Vorbild nehmend, schloss sich mir an Brett Zwei Max in einer beiderseits überaus originell geführten Partie an, mit nonchalanter Raffinesse in nahezu gleicher Stellung feinfühlig einen ganzen Turm einstellend, derohalben dem werten Wild zum Gewinne gratulierend.

Die frühneuzeitliche Ständeordnung der Zwischenstände verkündigte demnach also ein Zwei zu Zwei; noch vier laufende Tjoste und es bahnte sich in diesem fidelen Hauen und Stechen eine recht straffe Sensation an, welche den zahlreich herbeigeströmten Groupies des SKAK ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern wusste, entwickelte sich doch das nämliche Geschehen an allen verbliebenen Brettern gar kommod und gefällig:

An Brett Acht sah sich Kämpe Alexander in einem, gemäß meiner, in aller Bescheidenheit gesprochen, „großen und unvergleichlichen Weisheit“, verdächtig nach köstlich Sieg duftend Scharmützel, eines behänd hüpfend Ponys des Recken Recktenwald gegenüber, welches nach einig beherzt vorgetragen Traversieren den friedlichen Ausgang beschwingt in die Stallung tanzte. 

Nicht weniger gewinnträchtig erachtete ich in meiner schachlichen Infallibilität das Doppelturmendspiel mit zwei Mehrbuben an Brett Sieben von einem knackig aufspielendem Thomas gegen den werten Zeitgenossen Backens, welches aber vermaledeiterweis den  grämlichen Unbillen der naturgesetzlichen Ungewinnbarkeiten von Turmendspielen die logische Remisrechnung trug.

An Brett Sechs konnten wir ein eigenartiges Hybrid aus der Birderöffnung und dem Königsfianchetto bestaunen, wie ja beide Eröffnungen der gleichen Säugetierfamilie angehören und dergleich Frevelbälger des Öftern hervorzubringen pflegen, welches geschwind in imponderable Gewässer einfuhr und nach hartnäckigem Urgieren der Martinschen Heerscharen zwischenzeitlich in eine ziemlich offensichtliche Gewinnstellung mündete,

welche Martin aber, ob des bärbeißigen Drangsalierens der ehrenwerten Bürmannschen Streitkräfte schlau und umsichtig in den kalten Remistod überführte, well done!

So also hitchcockte es zum hollywoodreifen Grande Finale, es kulminierte die Spannung funkensprühend zur letzten laufenden Partie zwischen Andreas und dem Gentleman Frischmann und es sah auch hier nach einem möglichen Erfolg für die trauten Skaknauten aus.

Allerdings, vor den schnöden Gewinn setzten die Götter die Turmendspiele und das gleiche Geschick wie an Brett Sieben wiederholte sich einmal mehr…der Endstand verlief sich also in ein friedlich Vier/Vier, doch obgleich wir gegen einen vermeintlich auserkorenen Aufsteiger punkteten, ergötzt sich wohl im ausnehmend burlesken Skakreich kaum einer ob dieses Ergebnisses.

 

 

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