Saarallüren

Einmal mehr oberligate es heimverspielt in den stadtwerkigen Gemäuern, diesmal gegen die ruhmreichen Heroen von Gambit Saarbrücken.

Lassen wir das nicht unbemerkenswerte Geschehen bequem aus der Loge noch einmal Revue passieren und sehen uns die Begegnung in zeitlicher Abfolge beginnend bei Brett Sieben an;

Dortigst intonierte unser weithin gepriesener Edelreservist Rainer  gegen den werten Recken Bastian  groß aufspielend eine Sinfonie con fuoco in vier Brandsätzen:  ohnehin schon unwirsche Pfade der Winawer Variante im Franzosen folgend, goß Rainer einige Eimer natives Bioöl ins lustig prasselnde Feuer, opferte unverzagt ein fideles Pony für divers konfus Geplänkel und stand plötzlich, scharmützelnd und brandschatzend die Flammenherde durchdringend, mit schwerstem Geschütz vor der königlichen Kemenate des weißen Donjon, diesem mit Blide und Bombarde kurzerhand den roten Hahn aufs Dach setzend. Nachdem sich die weiße Majestät von der Wüstung der heimatlichen Burg hinreichend überzeugte, gab sie sich nach großem Kampfe geschlagen. Dieser beeindruckende Sieg erinnert an die glorreichen Zeiten Rainers, da er als ein Spitzenprädator im Schachhabitat dem Caissageflügel weithin das Fürchten lehrte, meinen allerhöchsten Respekt, verehrter Meister.

Am achten Brette entsandte Thomas in einem fein forschen Sämischkönigsinder ohne viel Brimborium die braven Büttel mit dem Knüppel und die soignierten Schergen prügelten jovial drauflos als ob es kein Morgen gäbe, das schwarze Interieur innerhalb kürzester Zeit angemessen humorlos zerschlagend. Fürwahr sah das arg drangsalierte Gebälk des werten Zeitgenossen Müller-Strieffler aus, als ob erst kürzlich eine Kompanie Tigerpanzer fröhlich durch die gute Stube rollte, bei genauerem Hinsehen glaubte ich auf einzelnen Felder sogar noch die eine oder andere Kettenspur auszumachen. Ganz angetan von soviel charmanter Gewalttätigkeit, gab sich Meister M.-S. clevererweise geschlagen.

Einem Thomas in dieser Stimmung möchte ich auch nicht unbedingt nachts begegnen. 😉

Am dritten Brette suchte ich ein wenig knatschig und morgenvermuffelt die Partie verhalten [g]ambitioniert in trübe Gewässer überzuleiten, bot ich doch zuvörderst einen kapitalen Vierzehnender-Dorsch als lieblich Lockvogel, oder vielmehr Lockfisch, doch schnöd verschmäht vom Recken Ehrhard trocknete das schachliche Geplansche schließlich zu einem ziemlich seichten Tümpel aus, indem ich trotz einem Stellungsplus von ca. einer halben Bananenstaude als echter Spielverderberfrosch nicht mehr so recht weiterspielen mochte und nahm daher das dargebotene Remisangebot an.

Das große Britische Empire, bekannt dafür in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts solche Exportschlager wie die Katze, Van Gogh oder lauwarmes Bier erfunden zu haben, bescherte den unbedarften Caissanern ebenfalls eine sehr britische Eröffnung, welche am fünften Brette zur Diskussion stand; hier bewies Zenturio Martin gegen Senator Hänßel, dass er nicht nur brilliante Gewinnstellungen groß zu verlieren vermag, sondern äußerst überzeugend auch ganz schlichte Verluststellungen kaum minder nachahmenswert das Klo runterspült…if life seems jolly rotten… 😉

Die Klingen am sechsten Brette kreuzend, verteidigte unser H-Claude mit einem überaus fintenreichen Fähnrich der großherzogtümlichen Ritterschaft das auf dem Damenflügel versammelte Gemops, unterstützt von einem in seiner steinernen Gravität frappierend an einen Moai erinnernden solenn zentrierten König,  geduldig ein verzwicktes Endspiel gegen den werten Gegner Pryvalov, welches dann nach einig erfolglosem Anstürmen der schwarzen Streitkräfte letztendlich friedlich in der Punkteteilung endete.

 

Die weißen Steine von Gangsta Jeremy am vierten Brette geführt, gestaltete sich die Begegnung mit seinem Gegner Forthoffer in etwa so, wie man sich das feindliche Bandengeschehen in amerikanischen Großstädten vorstellt; die weiße Gang drang schwer bewaffnet in die schwarze Hood ein und es sah nicht so aus als ob hier jemand Geiseln zu nehmen gedachte. Hier sahen wir aus nächster Nähe Drive-By Shootings, Beat Downs, Walk up Killings, mithin das ganze Human Trafficking aus den Jects.

Trotz dieser beispiellosen Brutalität sah es ganz am End fast noch wie ein klassisches Happy End à la Bromance aus, es schwelte schon ein unseliger Hauch Brokeback Montain über dem blutbespritzten Asphalt des Endspielghettos, welches Commissioner Komodo vom AIPD [Artificial Intelligence Police Department] mit der Einschätzung von 0.00 als nicht sonderlich gewonnen angibt.

Doch nun erlebten wir etwas höchst Ungehöriges, eines der erhabensten  Wunder der Natur, die Metamorphose eines Mopses in einen soliden Edelstahltoaster. Der draufgängerische G-Wangster schritt gleichsam wie einst John Cleese aus dem Ministry for Silly Walkings, wackelnd, stolpernd, grätschend gen Gelobtes Land East-Side-Grundreihe, Ecke Pimp Avenue. Dieses lässige Schlendern erwies sich als derart auffällig, dass er damit glatt das gegnerische Wahrnehmungsradar unterschritt und mit einem dezenten Ansteigen von Plus 51,6 schien die Stellung danach auch nicht mehr ganz so ausgeglichen. Dies sah dann auch Jeremys werter Opponent wohl ähnlich und gab sich in diesem bloody Battle geschlagen.

Lesson learned:

Halte die gegnerischen Freimöspe auf [Achtung, wichtig jetzt!] BEVOR sich diese unaufhaltsam in Wasauchimmer verwandeln! *schlaue Weisheiten vom Stapel lass*

Somit brauchten wir zum Gesamtsiege demnach noch knapp dreiviertel Punkte, die wir indes ziemlich wohlfeil am ersten Brette von Andreas erwarten konnten, welcher seit der vom werten Kämpen Micottis gewählten recht bescheiden anmutenden Van der Wiel-Variante im Vierpferdchenspiel, eine Tugend an Genauigkeit, das große Problemlos zog und es gegen ein kommod erspieltes Remis eintauschte! Tooor!

Blieb noch das zweite Brett von unserem Wäh-Claude zu erwähnen, welcher meiner unvermögenden Ansicht gemäß, nach wackliger Eröffnungsbehandlung des verehrten Herren Groß einwandfrei auf Gewinn stand. Dieser Eindruck versandete allerdings immer mehr, bis hin zu einer entfernt an Schach erinnernden Stellung, welche jedoch mehr Ähnlichkeiten mit einem Geschicklichkeitsspiel im Stile von Mikado oder verschärftes Freestyle-Stricken aufwies und da keiner dem ganzen Geraffel auf dem Brette auch nur das geringste Vertrauen schenkte, trennte man sich lieber vorsichtshalber in den nicht weit entfernten Remishafen. 

Somit holen die Skaklinge den ersten Mannschaftssieg nicht nur im neuen Jahre, sondern überhaupt in der laufenden Saison.

Gewinnen macht ja manchmal auch Spaß. 😉

 

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